Interimsprothese · Erstversorgung nach Amputation

Die erste Prothese nach der Amputation.

Die ersten Schritte machen wir gemeinsam. Eine Amputation stellt vieles auf den Kopf – und wirft erst einmal mehr Fragen auf, als jemand beantworten kann. Eines können wir Ihnen aber jetzt schon sagen: Es geht weiter. Und Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen.

Patient übt mit Unterschenkelprothese das Gehen auf dem Laufband in der Gangschule bei Kächele in Stuttgart

Kurz erklärt

Eine Interimsprothese ist die erste Prothese nach einer Beinamputation. Sie wird angepasst, sobald die Wunde es zulässt – oft schon wenige Wochen nach der Operation – und etwa drei bis sechs Monate getragen. In dieser Zeit verändert sich der Stumpf noch stark, deshalb wird die Prothese immer wieder nachgepasst. Erst wenn der Stumpf zur Ruhe gekommen ist, entsteht die endgültige Prothese. Bei ärztlicher Verordnung übernimmt die Krankenkasse die Versorgung.

Wenn Sie das hier lesen, steht Ihnen vielleicht gerade eine Amputation bevor. Oder sie liegt hinter Ihnen. Vielleicht lesen Sie es auch, weil es jemanden betrifft, der Ihnen nahesteht.

Wir wissen: In dieser Situation ist „Interimsprothese" erst einmal nur ein sperriges Wort. Auf dieser Seite erklären wir in Ruhe, was dahintersteckt, warum es sich lohnt, früh damit anzufangen – und was bei uns auf Sie zukommt.

Zum Verständnis

Was ist eine Interimsprothese?

Es ist die erste Prothese nach einer Amputation – Ihre Übergangsprothese. „Interim" heißt einfach: für die Zwischenzeit.

Diese Zwischenzeit gibt es, weil sich Ihr Bein nach der Operation noch stark verändert. Schwellungen gehen zurück, Muskeln bauen sich um. Ein Schaft, der heute wie angegossen sitzt, ist in einigen Wochen zu weit. Deshalb wäre es nicht sinnvoll, sofort die endgültige Prothese zu bauen.

Die Interimsprothese ist trotzdem kein Provisorium im schlechten Sinne. Sie ist voll funktionsfähig – Sie stehen damit, Sie gehen damit, Sie üben damit. Sie ist nur so gebaut, dass wir sie immer wieder anpassen können, während Ihr Stumpf seine endgültige Form findet.

Interimsprothese aus Testschaft, Rohradapter und Prothesenfuß – Erstversorgung nach Beinamputation bei Kächele in Stuttgart
Eine Interimsprothese: Testschaft, Rohradapter und Fuß – voll funktionsfähig, noch ohne kosmetische Verkleidung.

Je nach Amputationshöhe

Unterschenkel, Oberschenkel oder Fuß?

Das Prinzip ist immer gleich – der Aufwand nicht. Wie Ihre erste Prothese aussieht, hängt vor allem davon ab, wie viel von Ihrem Bein erhalten geblieben ist.

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Nach einer Fuß- oder Vorfußamputation

Bleibt die Ferse erhalten, ist oft keine klassische Prothese nötig, sondern eine Fußprothese oder eine Prothesenversorgung im Schuh. Wichtig ist, dass die Restbelastung sauber verteilt wird – sonst entstehen neue Druckstellen.

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Interimsprothese nach Unterschenkelamputation

Weil das Kniegelenk erhalten bleibt, gelingt das Gehen meist vergleichsweise schnell. Die Prothese besteht aus Schaft, Liner, Rohradapter und Prothesenfuß. Der Schaft wird in den ersten Monaten mehrfach nachgepasst, weil der Stumpf schlanker wird.

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Interimsprothese nach Oberschenkelamputation

Hier kommt ein Prothesenkniegelenk dazu – und damit mehr Übungsbedarf. Für die Erstversorgung wird bewusst ein sicheres, gut kontrollierbares Kniegelenk gewählt. Anspruchsvollere Passteile folgen, wenn Sie sicher unterwegs sind.

Der richtige Zeitpunkt

Wann wird sie eingesetzt?

So früh, wie die Wundheilung es erlaubt. Den Zeitpunkt bestimmt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt – in manchen Fällen ist eine erste Versorgung noch im Krankenhaus möglich.

Vor der OP

Wenn die Amputation planbar ist, lernen wir uns am besten schon vorher kennen. Dann wissen Sie, wer nach der Operation an Ihrer Seite steht.

Direkt danach

Der Stumpf wird versorgt und auf die Prothese vorbereitet – unter anderem mit Kompression gegen die Schwellung. Erste Übungen bringen Sie wieder in Bewegung.

Sobald die Wunde es zulässt

Die Interimsprothese wird angepasst. Jetzt beginnt die Gangschule – die ersten Schritte, oft zunächst zwischen zwei Barren.

Nach ca. 3–6 Monaten

Der Stumpf ist stabil. Die endgültige Prothese wird verordnet und gebaut – abgestimmt auf das, was Sie inzwischen können und vorhaben.

Warum es auf die Zeit ankommt

Früh anfangen zahlt sich aus.

Es ist verständlich, nach einer Amputation erst einmal Ruhe zu brauchen. Trotzdem raten wir dazu, mit der Prothesenversorgung nicht zu lange zu warten – aus vier Gründen.

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Der Stumpf bekommt Form

Nach der Operation verändert sich das Bein noch stark – Schwellungen gehen zurück, Muskeln bauen sich um. Das Tragen einer ersten Prothese hilft dabei, dass der Stumpf schneller seine endgültige Form findet.

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Sie kommen früher wieder auf die Beine

Je eher Sie wieder stehen und gehen, desto besser bleiben Kraft, Gleichgewicht und Ausdauer erhalten. Vieles, was man nicht verliert, muss man später nicht mühsam zurückholen.

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Es tut auch dem Kopf gut

Die ersten eigenen Schritte nach einer Amputation sind für viele der Moment, in dem aus Ungewissheit wieder Zuversicht wird. Das ist genauso wichtig wie alles Technische.

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Wir lernen Sie kennen

Wie Sie sich bewegen, was Ihnen wichtig ist, wo es drückt – all das fließt später in Ihre endgültige Prothese ein. Die Interimsprothese ist auch unsere Lernphase.

Ihr Weg bei uns

Wie die Versorgung bei Kächele abläuft.

Sie haben einen festen Ansprechpartner, der Sie über die gesamte Zeit begleitet – nicht bei jedem Termin ein neues Gesicht.

  1. 1

    Wir kommen zu Ihnen

    Möglichst früh – wenn es geht, schon vor der Operation, sonst direkt danach in der Klinik. Wir stellen uns vor, beantworten Ihre Fragen und schauen uns gemeinsam mit dem behandelnden Team an, wie es weitergeht. Sie müssen dafür nirgendwo hinfahren.

  2. 2

    Warten, bis die Wunde es zulässt

    Wann die erste Prothese angepasst werden kann, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt anhand der Wundheilung. Bis dahin bereiten wir den Stumpf vor – zum Beispiel mit Kompression, damit die Schwellung zurückgeht.

  3. 3

    Maß nehmen und Schaft bauen

    Der Schaft ist das Herzstück: Er verbindet Ihr Bein mit der Prothese und muss exakt sitzen. Wir fertigen ihn in unserer eigenen Werkstatt – bei Bedarf auch im 3D-Druck. Kurze Wege bedeuten schnelle Korrekturen.

  4. 4

    Anprobe und Nachpassen

    Am Anfang wird oft nachjustiert, und das ist völlig normal. Der Stumpf verändert sich weiter, also verändert sich auch der Schaft mit. Melden Sie sich, sobald etwas drückt – dafür sind wir da.

  5. 5

    Gehen lernen

    In der Gangschule üben Sie Schritt für Schritt: erst sicher stehen, dann gehen, später Treppen, Steigungen und das Aufstehen nach einem Sturz. Auf Wunsch analysieren wir Ihr Gangbild und feilen an den Details.

  6. 6

    Die endgültige Prothese

    Wenn der Stumpf stabil ist – meist nach etwa drei bis sechs Monaten – wird die definitive Prothese verordnet und gebaut. Alles, was wir bis dahin gelernt haben, fließt ein.

Orthopädietechniker zeichnet den Gipsabdruck des Stumpfes an – Maßnehmen für die Schaftfertigung bei Kächele
Maß nehmen: Der Gipsabdruck wird angezeichnet und angepasst.
Zwei Kächele-Orthopädietechniker fertigen den Prothesenschaft in der eigenen Werkstatt in Stuttgart
Schaftfertigung in unserer eigenen Werkstatt – kurze Wege für schnelle Korrekturen.

Kosten & Krankenkasse

Was kostet eine Interimsprothese?

Was eine Prothese in Euro kostet, hängt stark von der Amputationshöhe und den gewählten Passteilen ab – die Spanne ist groß. Für Sie als gesetzlich versicherten Patienten spielt das aber kaum eine Rolle: Die Prothesenversorgung ist eine Kassenleistung. Sobald eine ärztliche Verordnung vorliegt, erstellen wir den Kostenvoranschlag und klären die Genehmigung mit Ihrer Kasse.

Bleiben tut die gesetzliche Zuzahlung für Hilfsmittel: zehn Prozent des Abgabepreises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro. Wer von Zuzahlungen befreit ist oder unter 18 Jahre alt ist, zahlt nichts.

Ist die Amputation Folge eines Arbeits- oder Wegeunfalls, übernimmt die Berufsgenossenschaft. Privatversicherte rechnen wir nach ihrem Tarif ab – wir sagen Ihnen vorher, was auf Sie zukommt.

Interimsprothese mit Testschaft und Prothesenfuß – die Kosten übernimmt bei Verordnung die Krankenkasse

Mobilitätsklassen

Welche Bauteile die Kasse zahlt, hängt an Ihrer Mobilitätsklasse.

Die Mobilitätsklasse – im Fachjargon MOBIS – beschreibt in vier Stufen, wie Sie sich mit der Prothese bewegen. Sie ist die Grundlage dafür, welche Passteile genehmigt werden. Sie ist keine Bewertung Ihrer Person und keine endgültige Festlegung.

Klasse 1

Innenbereichsgeher

Gehen auf ebenem Boden in der Wohnung, langsam und über kurze Strecken. Sicherheit steht vor Tempo.

Klasse 2

Eingeschränkter Außenbereichsgeher

Kurze Wege nach draußen, niedrige Hindernisse wie Bordsteine, Schwellen oder einzelne Stufen sind möglich.

Klasse 3

Uneingeschränkter Außenbereichsgeher

Längere Strecken bei wechselndem Tempo, die meisten Hindernisse, Beruf und Alltag ohne größere Einschränkung.

Klasse 4

Hohe Ansprüche

Wie Klasse 3, zusätzlich hohe Stoß- und Dauerbelastung – etwa bei Sport, körperlicher Arbeit oder bei Kindern.

Wichtig: Die Einstufung kann sich ändern. Gerade in der Interimsphase entwickeln sich viele Patienten schneller, als anfangs angenommen. Wenn Sie in der Gangschule sicherer werden, begründen wir eine höhere Einstufung gegenüber Ihrer Krankenkasse – damit die endgültige Prothese zu dem passt, was Sie inzwischen können.

Orientierung im Papierkram

Was Ihnen nach einer Amputation zusteht.

Neben der Prothese gibt es eine Reihe von Ansprüchen, von denen viele erst spät erfahren. Ein kurzer Überblick – fragen Sie uns gerne, wenn Sie nicht weiterkommen.

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Anschlussheilbehandlung (AHB)

Die Reha direkt im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt wird in der Regel schon in der Klinik beantragt – über den Sozialdienst. Dort beginnt meist auch die Gangschule.

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Schwerbehindertenausweis

Wie hoch der Grad der Behinderung (GdB) ausfällt, lässt sich pauschal nicht sagen – er hängt von der Amputationshöhe, den Stumpfverhältnissen und Begleiterkrankungen ab. Aus unserer Praxis: Kunden mit Unterschenkelamputation haben einen GdB von 50 zuerkannt bekommen. Festgestellt wird er auf Antrag beim Versorgungsamt beziehungsweise Landratsamt.

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Pflegegrad

Ein Pflegegrad ist möglich, wenn im Alltag dauerhaft Hilfe nötig ist. Beantragt wird er bei der Pflegekasse, begutachtet wird vom Medizinischen Dienst. Eine Amputation allein führt nicht automatisch zu einem Pflegegrad.

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Auto, Wohnung, Arbeitsplatz

Für Umbauten am Fahrzeug, in der Wohnung oder am Arbeitsplatz gibt es Zuschüsse – je nach Situation von Krankenkasse, Rentenversicherung, Integrationsamt oder Pflegekasse. Wir sagen Ihnen, wer bei Ihnen der richtige Ansprechpartner ist.

Diese Übersicht ist eine erste Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Sozialberatung. Ob und in welcher Höhe ein Anspruch besteht, entscheiden die zuständigen Stellen – Versorgungsamt, Pflegekasse, Krankenkasse oder Rentenversicherung.

Versorgung in der Region Stuttgart

Wir kommen zu Ihnen.

Unser Schwerpunkt für die Prothetik liegt in der Rosenbergstraße 19 in Stuttgart-West. Dort sind unsere Werkstatt und die Gangschule – hier entsteht Ihr Schaft, hier wird nachgepasst, hier üben Sie das Gehen.

Solange Sie noch nicht mobil sind, müssen Sie dafür aber nirgendwo hin. Wir versorgen Sie mobil in der gesamten Region Stuttgart – in der Klinik, in der Reha-Einrichtung oder bei Ihnen zu Hause. Gerade das Erstgespräch findet fast immer bei Ihnen statt, nicht bei uns.

Insgesamt sind wir an sechs Standorten zwischen Stuttgart und Reutlingen für Sie da.

Kächele-Orthopädietechniker begutachtet eine Beinprothese in der Prothetik-Sprechstunde in Stuttgart-West
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Für Angehörige

Wenn Sie diese Seite für jemand anderen lesen: Ihre Rolle ist größer, als Sie vermutlich denken. Begleitung, Geduld und ein offenes Ohr tragen oft mehr zur Reha bei als jedes Bauteil.

Sie dürfen zu jedem Termin mitkommen und Fragen stellen – auch die, die sich der Patient selbst gerade nicht zu fragen traut. Rufen Sie uns gerne auch allein an, wenn Sie unsicher sind, wie Sie unterstützen können.

Wir nehmen uns Zeit

Sprechen wir darüber.

Ein erstes Gespräch verpflichtet zu nichts. Sie können uns alles fragen – auch das, was Ihnen banal vorkommt. Auf Wunsch kommen wir zu Ihnen in die Klinik oder nach Hause.

Häufige Fragen

Was Patienten uns oft fragen.

Was ist eine Interimsprothese?

Die Interimsprothese ist die erste Prothese nach einer Amputation – eine Übergangslösung für die Zeit, in der sich der Stumpf noch verändert. Sie ist voll funktionsfähig: Sie können damit stehen, gehen und üben. Sie ist nur nicht auf Dauer angelegt, weil sie mit dem Stumpf mitwachsen und immer wieder angepasst werden muss.

Wann bekomme ich meine erste Prothese?

Das hängt vor allem von der Wundheilung ab und entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. In manchen Fällen ist eine erste Versorgung schon im Krankenhaus möglich. Grundsätzlich gilt: so früh wie es medizinisch vertretbar ist.

Warum ist die erste Prothese nicht gleich die endgültige?

Weil sich das Bein nach der Operation noch stark verändert. Schwellungen gehen zurück, Muskulatur baut sich um – der Schaft, der heute perfekt sitzt, ist in ein paar Wochen zu weit. Eine endgültige Prothese wird deshalb erst gebaut, wenn der Stumpf zur Ruhe gekommen ist, in der Regel nach drei bis sechs Monaten.

Was kostet eine Interimsprothese?

Für gesetzlich Versicherte übernimmt die Krankenkasse die Prothesenversorgung, sobald eine ärztliche Verordnung vorliegt. Es bleibt die gesetzliche Zuzahlung von zehn Prozent des Abgabepreises – mindestens 5 und höchstens 10 Euro je Hilfsmittel. Wer von der Zuzahlung befreit ist oder unter 18 Jahre alt ist, zahlt nichts. Wir sind Versorgungspartner aller gesetzlichen Krankenkassen und rechnen direkt mit Ihrer Kasse ab.

Muss ich zu Ihnen kommen?

Nicht zwingend. Wir kommen zu Ihnen in die Klinik, in die Reha-Einrichtung oder nach Hause – im gesamten Großraum Stuttgart. Sobald Sie mobiler sind, sehen wir uns in der Regel an unserem Standort in der Rosenbergstraße in Stuttgart-West, wo unsere Werkstatt und die Gangschule sind.

Ich habe Phantomschmerzen. Ist das normal?

Ja. Die meisten Menschen spüren nach einer Amputation weiterhin das nicht mehr vorhandene Bein, oft auch schmerzhaft. Das ist keine Einbildung und kein schlechtes Zeichen. Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam darüber – es gibt gute Wege, damit umzugehen. Auch drückende oder schmerzende Stellen am Stumpf sollten Sie nie aushalten, sondern uns melden.

Wie lange dauert es, bis ich meine erste Prothese bekomme?

Das hängt an der Wundheilung, nicht am Kalender. Häufig wird die Interimsprothese wenige Wochen nach der Operation angepasst. Von der ärztlichen Verordnung bis zur ersten Anprobe vergehen bei uns in der Regel ein bis zwei Wochen – die Genehmigung der Krankenkasse kann zusätzlich Zeit brauchen. Wir starten deshalb so früh wie möglich mit den Formalitäten.

Ist die Interimsprothese bei einer Oberschenkelamputation anders?

Ja – bei einer Oberschenkelamputation kommt ein Prothesenkniegelenk dazu. Für die Erstversorgung wählen wir bewusst ein sicheres, gut kontrollierbares Gelenk, damit Sie Vertrauen aufbauen können. Bei einer Unterschenkelamputation bleibt Ihr eigenes Knie erhalten; dort geht das Gehen meist schneller.

Was ist ein Liner?

Der Liner ist ein weicher Schaft-Innenbezug aus Silikon, Gel oder Copolymer, den Sie direkt auf den Stumpf ziehen. Er polstert, verteilt den Druck und hält die Prothese über ein Verschlusssystem am Bein. Welcher Liner passt, entscheidet sich am Stumpf – wir probieren das mit Ihnen aus.

Muss ich meinen Stumpf wickeln?

In der Zeit vor der ersten Prothese ja, meistens. Kompression – gewickelt oder als Stumpfstrumpf – bringt die Schwellung schneller zurück und formt den Stumpf. Wie es richtig geht, zeigen wir Ihnen und Ihren Angehörigen, damit Sie es zu Hause selbst können.

Darf ich mit einer Prothese Auto fahren?

In vielen Fällen ja. Nach einer Amputation muss die Fahreignung aber neu beurteilt werden, häufig über eine Fahrprobe; oft sind Umbauten am Fahrzeug nötig – etwa ein Linksgaspedal oder Handbedienteile. Sprechen Sie uns an, wir sagen Ihnen, wer das in der Region beurteilt und wer die Umrüstung bezuschusst.

Bekomme ich nach einer Amputation einen Pflegegrad oder einen Schwerbehindertenausweis?

Einen Schwerbehindertenausweis können Sie nach einer Beinamputation beantragen. Wie hoch der Grad der Behinderung ausfällt, lässt sich vorab nicht seriös versprechen – das entscheidet das Versorgungsamt anhand von Amputationshöhe, Stumpfverhältnissen und Begleiterkrankungen. Aus unserer Erfahrung: Bei Unterschenkelamputationen haben Kunden von uns einen GdB von 50 zuerkannt bekommen. Ein Pflegegrad ist eine davon getrennte Sache – er setzt voraus, dass Sie im Alltag dauerhaft Hilfe brauchen, und wird bei der Pflegekasse beantragt.

Was ist eine Mobilitätsklasse und warum ist sie wichtig?

Die Mobilitätsklasse (auch MOBIS) beschreibt in vier Stufen, wie Sie sich mit der Prothese bewegen – von „Innenbereichsgeher" bis „hohe Ansprüche". Sie ist keine Note, sondern die Grundlage dafür, welche Passteile die Krankenkasse übernimmt. Wichtig zu wissen: Sie ist nicht in Stein gemeißelt. Wenn Sie in der Gangschule sicherer werden, kann die Einstufung angepasst werden – wir begründen das gegenüber der Kasse.

Wie pflege und reinige ich meine Prothese?

Schaft und Liner werden täglich gereinigt – am besten abends, damit alles über Nacht trocknen kann. Nehmen Sie dafür ein feuchtes Tuch und eine milde, pH-neutrale Seife, keine Lösungsmittel und keinen Alkohol. Der Liner wird auf links gedreht gereinigt und flach getrocknet, nicht auf der Heizung. Kontrollieren Sie beim Ausziehen kurz die Haut: Rötungen, die nach etwa 20 Minuten nicht verschwinden, gehören uns gezeigt.

Was bedeutet Stumpfabhärtung?

Der Stumpf muss sich erst daran gewöhnen, belastet und berührt zu werden – vorher ist die Haut dort sehr empfindlich. Nach abgeschlossener Wundheilung wird sie deshalb schrittweise an Druck und Reize gewöhnt: sanftes Abreiben mit unterschiedlichen Materialien, Massage, Wechselduschen. Das gehört in die Reha und wird dort angeleitet – bitte nicht auf eigene Faust an frischen Narben üben.

Kann ich mit einer Prothese Sport machen?

Ja. Nordic Walking, Schwimmen und Radfahren sind gute Einstiege, vieles andere geht ebenfalls. Für Sport gibt es eigene Passteile – für den Anfang reicht aber meist die Alltagsprothese. Sagen Sie uns früh, was Sie vorhaben: Sportliche Ziele fließen in die Mobilitätsklasse und damit in die Auswahl der Bauteile ein.

Kann ich später wieder aktiv sein?

Sehr wahrscheinlich ja. Wie mobil Sie mit einer Prothese werden können, hängt von vielen Dingen ab – aber die meisten unserer Patienten unterschätzen zu Beginn, wie viel wieder möglich wird. Wir bauen die Versorgung so auf, dass sie mit Ihren Zielen mitwächst.

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