Was ist eine Interimsprothese?
Die Interimsprothese ist die erste Prothese nach einer Amputation – eine Übergangslösung für die Zeit, in der sich der Stumpf noch verändert. Sie ist voll funktionsfähig: Sie können damit stehen, gehen und üben. Sie ist nur nicht auf Dauer angelegt, weil sie mit dem Stumpf mitwachsen und immer wieder angepasst werden muss.
Wann bekomme ich meine erste Prothese?
Das hängt vor allem von der Wundheilung ab und entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. In manchen Fällen ist eine erste Versorgung schon im Krankenhaus möglich. Grundsätzlich gilt: so früh wie es medizinisch vertretbar ist.
Warum ist die erste Prothese nicht gleich die endgültige?
Weil sich das Bein nach der Operation noch stark verändert. Schwellungen gehen zurück, Muskulatur baut sich um – der Schaft, der heute perfekt sitzt, ist in ein paar Wochen zu weit. Eine endgültige Prothese wird deshalb erst gebaut, wenn der Stumpf zur Ruhe gekommen ist, in der Regel nach drei bis sechs Monaten.
Was kostet eine Interimsprothese?
Für gesetzlich Versicherte übernimmt die Krankenkasse die Prothesenversorgung, sobald eine ärztliche Verordnung vorliegt. Es bleibt die gesetzliche Zuzahlung von zehn Prozent des Abgabepreises – mindestens 5 und höchstens 10 Euro je Hilfsmittel. Wer von der Zuzahlung befreit ist oder unter 18 Jahre alt ist, zahlt nichts. Wir sind Versorgungspartner aller gesetzlichen Krankenkassen und rechnen direkt mit Ihrer Kasse ab.
Muss ich zu Ihnen kommen?
Nicht zwingend. Wir kommen zu Ihnen in die Klinik, in die Reha-Einrichtung oder nach Hause – im gesamten Großraum Stuttgart. Sobald Sie mobiler sind, sehen wir uns in der Regel an unserem Standort in der Rosenbergstraße in Stuttgart-West, wo unsere Werkstatt und die Gangschule sind.
Ich habe Phantomschmerzen. Ist das normal?
Ja. Die meisten Menschen spüren nach einer Amputation weiterhin das nicht mehr vorhandene Bein, oft auch schmerzhaft. Das ist keine Einbildung und kein schlechtes Zeichen. Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam darüber – es gibt gute Wege, damit umzugehen. Auch drückende oder schmerzende Stellen am Stumpf sollten Sie nie aushalten, sondern uns melden.
Wie lange dauert es, bis ich meine erste Prothese bekomme?
Das hängt an der Wundheilung, nicht am Kalender. Häufig wird die Interimsprothese wenige Wochen nach der Operation angepasst. Von der ärztlichen Verordnung bis zur ersten Anprobe vergehen bei uns in der Regel ein bis zwei Wochen – die Genehmigung der Krankenkasse kann zusätzlich Zeit brauchen. Wir starten deshalb so früh wie möglich mit den Formalitäten.
Ist die Interimsprothese bei einer Oberschenkelamputation anders?
Ja – bei einer Oberschenkelamputation kommt ein Prothesenkniegelenk dazu. Für die Erstversorgung wählen wir bewusst ein sicheres, gut kontrollierbares Gelenk, damit Sie Vertrauen aufbauen können. Bei einer Unterschenkelamputation bleibt Ihr eigenes Knie erhalten; dort geht das Gehen meist schneller.
Was ist ein Liner?
Der Liner ist ein weicher Schaft-Innenbezug aus Silikon, Gel oder Copolymer, den Sie direkt auf den Stumpf ziehen. Er polstert, verteilt den Druck und hält die Prothese über ein Verschlusssystem am Bein. Welcher Liner passt, entscheidet sich am Stumpf – wir probieren das mit Ihnen aus.
Muss ich meinen Stumpf wickeln?
In der Zeit vor der ersten Prothese ja, meistens. Kompression – gewickelt oder als Stumpfstrumpf – bringt die Schwellung schneller zurück und formt den Stumpf. Wie es richtig geht, zeigen wir Ihnen und Ihren Angehörigen, damit Sie es zu Hause selbst können.
Darf ich mit einer Prothese Auto fahren?
In vielen Fällen ja. Nach einer Amputation muss die Fahreignung aber neu beurteilt werden, häufig über eine Fahrprobe; oft sind Umbauten am Fahrzeug nötig – etwa ein Linksgaspedal oder Handbedienteile. Sprechen Sie uns an, wir sagen Ihnen, wer das in der Region beurteilt und wer die Umrüstung bezuschusst.
Bekomme ich nach einer Amputation einen Pflegegrad oder einen Schwerbehindertenausweis?
Einen Schwerbehindertenausweis können Sie nach einer Beinamputation beantragen. Wie hoch der Grad der Behinderung ausfällt, lässt sich vorab nicht seriös versprechen – das entscheidet das Versorgungsamt anhand von Amputationshöhe, Stumpfverhältnissen und Begleiterkrankungen. Aus unserer Erfahrung: Bei Unterschenkelamputationen haben Kunden von uns einen GdB von 50 zuerkannt bekommen. Ein Pflegegrad ist eine davon getrennte Sache – er setzt voraus, dass Sie im Alltag dauerhaft Hilfe brauchen, und wird bei der Pflegekasse beantragt.
Was ist eine Mobilitätsklasse und warum ist sie wichtig?
Die Mobilitätsklasse (auch MOBIS) beschreibt in vier Stufen, wie Sie sich mit der Prothese bewegen – von „Innenbereichsgeher" bis „hohe Ansprüche". Sie ist keine Note, sondern die Grundlage dafür, welche Passteile die Krankenkasse übernimmt. Wichtig zu wissen: Sie ist nicht in Stein gemeißelt. Wenn Sie in der Gangschule sicherer werden, kann die Einstufung angepasst werden – wir begründen das gegenüber der Kasse.
Wie pflege und reinige ich meine Prothese?
Schaft und Liner werden täglich gereinigt – am besten abends, damit alles über Nacht trocknen kann. Nehmen Sie dafür ein feuchtes Tuch und eine milde, pH-neutrale Seife, keine Lösungsmittel und keinen Alkohol. Der Liner wird auf links gedreht gereinigt und flach getrocknet, nicht auf der Heizung. Kontrollieren Sie beim Ausziehen kurz die Haut: Rötungen, die nach etwa 20 Minuten nicht verschwinden, gehören uns gezeigt.
Was bedeutet Stumpfabhärtung?
Der Stumpf muss sich erst daran gewöhnen, belastet und berührt zu werden – vorher ist die Haut dort sehr empfindlich. Nach abgeschlossener Wundheilung wird sie deshalb schrittweise an Druck und Reize gewöhnt: sanftes Abreiben mit unterschiedlichen Materialien, Massage, Wechselduschen. Das gehört in die Reha und wird dort angeleitet – bitte nicht auf eigene Faust an frischen Narben üben.
Kann ich mit einer Prothese Sport machen?
Ja. Nordic Walking, Schwimmen und Radfahren sind gute Einstiege, vieles andere geht ebenfalls. Für Sport gibt es eigene Passteile – für den Anfang reicht aber meist die Alltagsprothese. Sagen Sie uns früh, was Sie vorhaben: Sportliche Ziele fließen in die Mobilitätsklasse und damit in die Auswahl der Bauteile ein.
Kann ich später wieder aktiv sein?
Sehr wahrscheinlich ja. Wie mobil Sie mit einer Prothese werden können, hängt von vielen Dingen ab – aber die meisten unserer Patienten unterschätzen zu Beginn, wie viel wieder möglich wird. Wir bauen die Versorgung so auf, dass sie mit Ihren Zielen mitwächst.