Der Stumpf bekommt Form
Nach der Operation verändert sich das Bein noch stark – Schwellungen gehen zurück, Muskeln bauen sich um. Das Tragen einer ersten Prothese hilft dabei, dass der Stumpf schneller seine endgültige Form findet.
Interimsprothese · Erstversorgung nach Amputation
Eine Amputation stellt vieles auf den Kopf – und wirft erst einmal mehr Fragen auf, als jemand beantworten kann. Eines können wir Ihnen aber jetzt schon sagen: Es geht weiter. Und Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen.
Wenn Sie das hier lesen, steht Ihnen vielleicht gerade eine Amputation bevor. Oder sie liegt hinter Ihnen. Vielleicht lesen Sie es auch, weil es jemanden betrifft, der Ihnen nahesteht.
Wir wissen: In dieser Situation ist „Interimsprothese" erst einmal nur ein sperriges Wort. Auf dieser Seite erklären wir in Ruhe, was dahintersteckt, warum es sich lohnt, früh damit anzufangen – und was bei uns auf Sie zukommt.
Zum Verständnis
Es ist die erste Prothese nach einer Amputation – Ihre Übergangsprothese. „Interim" heißt einfach: für die Zwischenzeit.
Diese Zwischenzeit gibt es, weil sich Ihr Bein nach der Operation noch stark verändert. Schwellungen gehen zurück, Muskeln bauen sich um. Ein Schaft, der heute wie angegossen sitzt, ist in einigen Wochen zu weit. Deshalb wäre es nicht sinnvoll, sofort die endgültige Prothese zu bauen.
Die Interimsprothese ist trotzdem kein Provisorium im schlechten Sinne. Sie ist voll funktionsfähig – Sie stehen damit, Sie gehen damit, Sie üben damit. Sie ist nur so gebaut, dass wir sie immer wieder anpassen können, während Ihr Stumpf seine endgültige Form findet.
Der richtige Zeitpunkt
So früh, wie die Wundheilung es erlaubt. Den Zeitpunkt bestimmt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt – in manchen Fällen ist eine erste Versorgung noch im Krankenhaus möglich.
Wenn die Amputation planbar ist, lernen wir uns am besten schon vorher kennen. Dann wissen Sie, wer nach der Operation an Ihrer Seite steht.
Der Stumpf wird versorgt und auf die Prothese vorbereitet – unter anderem mit Kompression gegen die Schwellung. Erste Übungen bringen Sie wieder in Bewegung.
Die Interimsprothese wird angepasst. Jetzt beginnt die Gangschule – die ersten Schritte, oft zunächst zwischen zwei Barren.
Der Stumpf ist stabil. Die endgültige Prothese wird verordnet und gebaut – abgestimmt auf das, was Sie inzwischen können und vorhaben.
Warum es auf die Zeit ankommt
Es ist verständlich, nach einer Amputation erst einmal Ruhe zu brauchen. Trotzdem raten wir dazu, mit der Prothesenversorgung nicht zu lange zu warten – aus vier Gründen.
Nach der Operation verändert sich das Bein noch stark – Schwellungen gehen zurück, Muskeln bauen sich um. Das Tragen einer ersten Prothese hilft dabei, dass der Stumpf schneller seine endgültige Form findet.
Je eher Sie wieder stehen und gehen, desto besser bleiben Kraft, Gleichgewicht und Ausdauer erhalten. Vieles, was man nicht verliert, muss man später nicht mühsam zurückholen.
Die ersten eigenen Schritte nach einer Amputation sind für viele der Moment, in dem aus Ungewissheit wieder Zuversicht wird. Das ist genauso wichtig wie alles Technische.
Wie Sie sich bewegen, was Ihnen wichtig ist, wo es drückt – all das fließt später in Ihre endgültige Prothese ein. Die Interimsprothese ist auch unsere Lernphase.
Ihr Weg bei uns
Sie haben einen festen Ansprechpartner, der Sie über die gesamte Zeit begleitet – nicht bei jedem Termin ein neues Gesicht.
Möglichst früh – wenn es geht, schon vor der Operation, sonst direkt danach in der Klinik. Wir stellen uns vor, beantworten Ihre Fragen und schauen uns gemeinsam mit dem behandelnden Team an, wie es weitergeht. Sie müssen dafür nirgendwo hinfahren.
Wann die erste Prothese angepasst werden kann, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt anhand der Wundheilung. Bis dahin bereiten wir den Stumpf vor – zum Beispiel mit Kompression, damit die Schwellung zurückgeht.
Der Schaft ist das Herzstück: Er verbindet Ihr Bein mit der Prothese und muss exakt sitzen. Wir fertigen ihn in unserer eigenen Werkstatt – bei Bedarf auch im 3D-Druck. Kurze Wege bedeuten schnelle Korrekturen.
Am Anfang wird oft nachjustiert, und das ist völlig normal. Der Stumpf verändert sich weiter, also verändert sich auch der Schaft mit. Melden Sie sich, sobald etwas drückt – dafür sind wir da.
In der Gangschule üben Sie Schritt für Schritt: erst sicher stehen, dann gehen, später Treppen, Steigungen und das Aufstehen nach einem Sturz. Auf Wunsch analysieren wir Ihr Gangbild und feilen an den Details.
Wenn der Stumpf stabil ist – meist nach etwa drei bis sechs Monaten – wird die definitive Prothese verordnet und gebaut. Alles, was wir bis dahin gelernt haben, fließt ein.
Versorgung in der Region Stuttgart
Unser Schwerpunkt für die Prothetik liegt in der Rosenbergstraße 19 in Stuttgart-West. Dort sind unsere Werkstatt und die Gangschule – hier entsteht Ihr Schaft, hier wird nachgepasst, hier üben Sie das Gehen.
Solange Sie noch nicht mobil sind, müssen Sie dafür aber nirgendwo hin. Wir versorgen Sie mobil in der gesamten Region Stuttgart – in der Klinik, in der Reha-Einrichtung oder bei Ihnen zu Hause. Gerade das Erstgespräch findet fast immer bei Ihnen statt, nicht bei uns.
Insgesamt sind wir an sechs Standorten zwischen Stuttgart und Reutlingen für Sie da.
Wenn Sie diese Seite für jemand anderen lesen: Ihre Rolle ist größer, als Sie vermutlich denken. Begleitung, Geduld und ein offenes Ohr tragen oft mehr zur Reha bei als jedes Bauteil.
Sie dürfen zu jedem Termin mitkommen und Fragen stellen – auch die, die sich der Patient selbst gerade nicht zu fragen traut. Rufen Sie uns gerne auch allein an, wenn Sie unsicher sind, wie Sie unterstützen können.
Wir nehmen uns Zeit
Ein erstes Gespräch verpflichtet zu nichts. Sie können uns alles fragen – auch das, was Ihnen banal vorkommt. Auf Wunsch kommen wir zu Ihnen in die Klinik oder nach Hause.
Häufige Fragen
Die Interimsprothese ist die erste Prothese nach einer Amputation – eine Übergangslösung für die Zeit, in der sich der Stumpf noch verändert. Sie ist voll funktionsfähig: Sie können damit stehen, gehen und üben. Sie ist nur nicht auf Dauer angelegt, weil sie mit dem Stumpf mitwachsen und immer wieder angepasst werden muss.
Das hängt vor allem von der Wundheilung ab und entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. In manchen Fällen ist eine erste Versorgung schon im Krankenhaus möglich. Grundsätzlich gilt: so früh wie es medizinisch vertretbar ist.
Weil sich das Bein nach der Operation noch stark verändert. Schwellungen gehen zurück, Muskulatur baut sich um – der Schaft, der heute perfekt sitzt, ist in ein paar Wochen zu weit. Eine endgültige Prothese wird deshalb erst gebaut, wenn der Stumpf zur Ruhe gekommen ist, in der Regel nach drei bis sechs Monaten.
Die Prothesenversorgung wird bei ärztlicher Verordnung von der Krankenkasse übernommen. Wir sind Versorgungspartner aller gesetzlichen Krankenkassen und rechnen direkt mit Ihrer Kasse ab. Um Formalitäten kümmern wir uns – Sie sollen sich auf die Reha konzentrieren.
Nicht zwingend. Wir kommen zu Ihnen in die Klinik, in die Reha-Einrichtung oder nach Hause – im gesamten Großraum Stuttgart. Sobald Sie mobiler sind, sehen wir uns in der Regel an unserem Standort in der Rosenbergstraße in Stuttgart-West, wo unsere Werkstatt und die Gangschule sind.
Ja. Die meisten Menschen spüren nach einer Amputation weiterhin das nicht mehr vorhandene Bein, oft auch schmerzhaft. Das ist keine Einbildung und kein schlechtes Zeichen. Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam darüber – es gibt gute Wege, damit umzugehen. Auch drückende oder schmerzende Stellen am Stumpf sollten Sie nie aushalten, sondern uns melden.
Sehr wahrscheinlich ja. Wie mobil Sie mit einer Prothese werden können, hängt von vielen Dingen ab – aber die meisten unserer Patienten unterschätzen zu Beginn, wie viel wieder möglich wird. Wir bauen die Versorgung so auf, dass sie mit Ihren Zielen mitwächst.
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